Die Bohème am Kottbusser Tor · Arbeit





Die Bohème am Kottbusser Tor

- ein Musiktheaterprojekt -



ARBEIT


am 1.Mai 2006, 16 Uhr
Performance auf der Häuserdurchfahrt Adalbertstraße, Berlin-Kreuzberg

Blumenschnittmuster - 17. Jahrhundert


„So hold ist der Duft der Blumen! Doch die Blumen, die ich sticke, die haben keinen Duft.“ (Mimi)

Hugenotten brachten die Blumenmacherkunst im 18Jhd. von Paris auch nach Berlin. Hier begann sich eine bedeutende Konfektionsindustrie zu entwickeln, die die Trends aus Paris kopierte, um sie günstiger einem breiteren Publikum anbieten zu können. Die erste große Berliner Coconsblumenfabrik wurde 1776 von Martin Friedel übernommen. Die Gegend um die Oranienstraße war bis zum 2. Weltkrieg das Zentrum der Berliner Blumenfabrikation.

„Ich bin Ihre Nachbarin, die eben hier eintrat, um Sie zu belästigen“ (Mimi)

Bis zur Weltwirtschaftskrise Ende der Zwanziger Jahre erlebte die Blumenbranche in Europa ein stetiges Wachstum und einen regen weltweiten Export. Auf der Weltausstellung von 1851 in London waren 67 europäische Kunstblumenbetriebe vertreten. Zu dieser Zeit arbeiteten in Paris in gut 2000 Betrieben 19.000 Mitarbeiter – überwiegend Frauen. In Berlin wurden ca. 3.000 Beschäftigte gezählt, in Sebnitz und Neustadt waren es ca. 130 Firmen, und etwa 10.000 Beschäftigte.

Heimarbeit, Saisonarbeit, Nebenverdienst, Arbeitsteilung und auch Kinderarbeit werden seit je her mit der Kunstblumenproduktion verbunden.

„ Lilien und Rosen: Mich freuen diese Dinge, die solch süßen Zauber besitzen.“ (Mimi)

„Die fortschreitende Entfaltung der Blumenmacherei hatte zur Folge, dass sich das mit dieser Kunst verbundene Wissen nicht mehr allein nur in den Werkstätten erwerben ließ, sondern auch durch den Besuch einer Fachschule ergänzt werden musste. Daher wurde bereits 1803 zu Paris eine Zeichenschule gegründet, in der an drei Tagen der Woche begabte Schneiderinnen und Modistinnen, Blumenmacherinnen und Stickerinnen unentgeltlich Unterricht erhielten. Weitere Schulen (wie die von Mme Charles geleitete) folgten und hielten öffentliche Prüfungen ab, prämierten besondere Leistungen, stellten Zeugnisse aus und gaben Fachzeitschriften heraus.“ (Bruno Schier: Die Kunstblume)

„Ich lebe hier allein, ganz allein hier in diesem weißen Kämmerchen; schau über die Dächer und in den Himmel.“ (Mimi)

„A flowermaker ... had a true vocation, a metier which could support her well… Some women might be ready after the customary term of the three years to earn modest living. Attainment of success as a flowermaker thus required a girl’s family defer use of her wage-earning capacity for several years … To learn flowermaking, girls spent three years in apprenticeship, followed by years more, preferably in a workshop, perfecting their skills. Most women trained as flowermakers worked at it their entire lives. … They were the “aristocrats” of the female labor force. In 1853 the average flowermaker earned 40 per cent more than the average women worker. … Flowermaking was considered one of the best occupations for working women … In 1896 the men’s syndicate aided several working women in forming another syndicate for flowermakers and the related crafts – for women only. ….In January 1908 Stéphanie Bouvard and Marie Robert, another flowermaker, opened a producers’ cooperative which they called ‘La Fleur de Paris’. … For all, the struggeling and the successful, home industry could provide an opportunity to fulfil women’s multiple roles with minimal conflict. They could have their “two worlds in one”. And for the strong, the talented, the well-trained, the aggressive, flowermaking at home allowed for the preservation of independence as artisans and as women. (Marilyn J. Boxer: Women in industrial homework: The flowermakers of Paris)

Musik: ‚Die Kunstblume’ von Robert Stolz, 1926

Fotos © Martin Kalina


eine Zusammenarbeit von Henriette Huppmann, Julia Schreiner und Gunda Zeeb.
Mit herzlichem Dank an Katrin Veser.

gefördert vom Quartiersmanagement Kottbusser Tor / MyFest
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